Infrastruktur gegen Grenzen

Dies ist eine Übersetzung des Artikels Infrastructure against borders von Out of the Woods, welcher auf libcom erschienen ist.

Klimawandel könnte Millionen von Menschen vertreiben. Können wir uns gegen faschistische Antworten impfen? Der zweite von zwei Artikeln über Klimamigration, antimigrantischen Populismus und No-Border-Politiken.

Teil 2 von 2. Teil 1 hier.

No-Border-Arbeit in ‚gemäßigten Klimazonen‘ muss die mittelfristige Wahrscheinlichkeit von massenhafter Klimaflucht aus Regionen, welche in Folge des Klimawandels unbewohnbar geworden sind, mitdenken. Es scheint wahrscheinlich, dass existierender antimigrantischer Populismus sich auf die Ideen reaktionärer Ökologie beziehen wird um von ‚Rettungsboot-Staaten‘ Grenzgewalt gegen Außenstehende zu verlangen. Um dieser Gefahr zu begegnen muss Grenzpolitik in Schulen bekämpft, den Versuchen Sorgearbeiter*innen in Grenzbeamte zu verwandeln widerstanden, Anti-Razzia-Aktivität verstärkt, Kämpfe um Wohnraum geführt und allgemein die Organisation gegen Abschiebehaft und für Migrant*innen-Solidarität ausgebaut werden.

Zur Zeit ist der größere Teil antifaschistischer Aktivität – notwendigerweise – unmittelbar und reaktiv, wie zum Beispiel Protest gegen extrem rechte Mobilisierungen. Die Zukunft der massenhaften Vertreibungen durch den Klimawandel bedeutet, dass es ein langfristiges Projekt des Aufbaus einer antifaschistischen, pro-migrantischen Kultur und gleichzeitigen Impfung gegen die Gleichsetzung von Fremden und Feinden, benötigt wird. Dieser Artikel wird die Grundlagen populärer anti-migrantischer, weiß-nationalistischer Mobilisierungen erforschen und ein paar Vorschläge für eine längerfristige pro-migrantische Politik machen.

Der Zusammenhang Rasse-Familie-Nation

…Nein, die Massen sind nicht getäuscht worden, sie haben den Faschismus gewünscht, und bedarf einer Erklärung. … Wie kann man erklären, dass der Wunsch sich Operationen anheimgibt, die kein Verkennen, keine Missverständnisse sind, sondern vollkommen reaktionäre unbewusste Besetzungen? (1)

Das Gespenst der radikalisierten Flüchtlinge, von Premierministern und Boulevardblättern als „Schwärme“ und „Kakerlaken“ beschrieben, wurde von einer wieder erwachenden extremen Rechten erzeugt und ausgeschlachtet: Von Trumps Versprechen eine Mauer zu bauen und sie von Mexiko bezahlen zu lassen zu der faschistischen Atmosphäre im Brexit Britannien und den erwachenden extrem rechten Parteien in Frankreich, Ungarn und anderswo. Dieses Gespenst gewinnt an affektiver Resonanz mit weiteren rassifizierten und sexualisierten Ängsten, welche an der Figur des Migranten kleben, veranschaulicht auf dem Cover eines polnischen Magazins, welches die ‚Islamische Vergewaltigung Europas‘ darstellt.(2)

Angela Mitropoulos identifiziert diesen Nexus aus Rasse, Nation und Sexualtität als ‚oikonomia‘ – das Gesetz des Haushalts. Der Haushalt ist wichtig, sowohl als Ort der Reproduktion der Eigentumsordnung durch Erbschaft und Heiratsverträge sowie als Ort der Reproduktion der (rassifizierten) Nation durch sexuelle Reproduktion. Daher ist der normative (monorassifizierte, heterosexuelle, nukleare) Haushalt – in der Praxis zunehmend selten – die Grundlage kapitalistischer Zukünftigkeit und eine Schlüsselinstitution in der (re)Produktion von Bürgern die sich Eigentum, Nation und Rasse gegenüber loyal verhalten.(3)

Was Mitropoulos die „emotionale Vermengung von Familie, Rasse und Nation“ nennt, wird anhand des Begriffes ‚cuck‘ deutlich, einer populären Beleidigung von Weißen Nationalisten gegenüber vermeintlichen ‚Rasseverrätern‘.(4) Der Begriff verweist sowohl auf die rassifizierten, psycho-sexuellen Ängste über ‚Rassenmischung‘ als auch auf die Penetration der Nation durch ‚rapefugees‘, imaginiert als Horde von dunklen sexuellen Triebtätern.(5) Weder Trumps gut dokumentierte sexuelle Übergriffigkeit (von vielen seiner Unterstützer*innen nicht nur als akzeptabel, sondern als lobenswerte weiße-heterosexuelle Männlichkeit gesehen); noch seine Indifferenz gegenüber Skandalen um Übergriffe mit vornehmlich weißen Tätern (siehe auch das unterschiedliche Interesse der Britischen extremen rechten zu den Fällen in Rochdale und Savile) repräsentieren einen Widerspruch zu dieser affektiven Konfiguration. Dies ist eben genau auf den emotionalen Nexus von rassifizierter Nation und sexuellem Anspruchsdenken zurückzuführen: ‚Unsere Frauen‘ müssen vor den rassifizierten Fremden ‚beschützt‘ werden um die weiße Nation besser reproduzieren zu können.

Grenzregime, Zufluchtsorte und Soziale Reprodukion

Das Verständnis von unbewussten Investitionen in populistische antimigrantische Resentiments in der ‚oikonomia‘ vergrößert unser Verständnis davon, was eine längerfristige Arbeit beim Aufbau einer promigrantischen, antifaschistischen, anti-Grenzgewalt Kultur in ungeahnter Weise involviert. Kämpfe über Themen wie reproduktive Freiheit, sexualisierte Gewalt, die Möglichkeit für LGBT+ Menschen in der Öffentlichkeit zu existieren sind auch Kämpfe um den emotionalen Kern rassifizierter Grenzgewalt. Diese Kämpfe sind weder extern, noch ablenkend, noch „Kulturkriege“ oder „Identitätspolitiken“.

Bemühungen, Frauen als Gebärmuttern zu definieren und Frauen körperliche Autonomie zu verweigern, teilen ihre Logik mit Bemühungen, die Bewegungen rassifizierter Anderer über Grenzen zu kontrollieren: Die Logik eines reproduktiven Futurismus, der Rasse und Nation über die ‚richtige‘ Familie reproduziert. Um konkret zu werden: Eine neue Richtlinie im Vereinigten Königreich, welche Vermieter unter Androhung einer £3.000-Geldstrafe zur Passkontrolle verpflichtet, marginalisiert auch jene, die häuslicher Gewalt entfliehen, die keine Zeit oder keinen Zugriff haben um die bei gewalttätigen Partnern liegenden Dokumente zu holen. Die Regierung hat immer wieder die Sexualität von Asylsuchenden übergangen wie etwa in dem Fall von Aderonke Apatas Deportation nach Nigeria.

Ich würde sagen, dass es unmöglich ist die vergeschlechtlichte und rassifizierte Gewalt zu trennen […], Männer welche glauben den Anspruch zu haben, Frauen (die sie wie sich selbst als weiß lesen) als ihr Eigentum anzusehen, sind ein wichtiges kompensierendes Element in der Geschichte und Politik von Klasse und Rasse. Ich denke, dass es schwer ist Konzepte von femininer Verfügbarkeit (und Ängsten um Vaterschaft oder Besitz, Promiskuität von Frauen) von Ängsten um richtige, rassische Reproduktion zu trennen.(6)

Darum ist es keine Überraschung, dass die fiesesten pro-Grenzgewalt-Politiker*innen und -Medien zunehmend ängstlich auf die Erosion heterosexueller und binärer Geschlechternormen schauen. Trotz des Wiedererwachens quasi-faschistischer Politik glauben sie tatsächlich sie würden verlieren. Und in einigen wichtigen Aspekten haben sie das auch, auch wenn solche Erfolge unter der großen Bedrohung von heteronormativem, oikonomischem Revanchismus stehen. Selbst in der Linken sehen wir beispielsweise zunehmende Rufe nach einer neuen Organisation um eine beschränkte Vorstellung einer (durch und durch heterosexuellen) weißen Arbeiterklasse. Jasbir Puar warnt uns auch davor scheinbare Abweichungen von den oikonomischen Normen als inhärent bedrohlich für das Kapital zu interpretieren, vor allem in Hinblick auf die Ehe für Alle:

Die kapitalistische reproduktive Ökonomie (Zusammen mit Technologie: in vitro, Samenbanken, Klonen, vorgeburtlicher Geschlechtswahl, Gentests) verlangt nicht mehr exklusiv Heteronormativität als Absolut, die Simulationen seiner Norm reichen vielleicht auch.(7)

Doch während das Kapital vielleicht mit einer Simulation der heterosexuellen Familie leben kann, stellen die Kämpfe um solche Fragen die Reproduktion von nach Grenzen-verlangenden Individuen in Frage, die Träger von autoritären Werten, die Queere wie Migrant*innen zusammenschlagen um „die Kontrolle zurückzunehmen“.(8) Entscheidend dabei ist, dass diese Kämpfe unser Verständnis von No-Border-Politik um Fragen von sozialer Reproduktion bereichern. Dies passt zu Silvia Federicis Diskussion eines „kollektiven Kampfes über Reproduktion, welcher die Kontrolle über die materiellen Bedingungen unserer Reproduktion gewinnt und neue Formen von Kooperation um diese Arbeiten jenseits der Logik von Kapital und Markt herstellt.“(9)

Das Beispiel des Buddy-modells für Migrant*innen des Glasgower Stadtrates und der Solidaritätsarbeit des Glasgower Unity Centres sind hier hilfreich und scheinen etwas zu sein, dass potentiell nachgemacht werden kann:

Die Asylsuchenden wurden in leere Wohnungen in lange Zeit vernachlässigtem sozialen Wohnungsbau einquartiert. Nachbarn, welche vom Stadtrat damit beauftragt wurden die neuen Familien willkommen zu heißen, nahmen ihre Arbeit ernst und brachten die Neuankömmlinge aus dem Kosovo, Pakistan, Kongo, in ihre Communities, schmissen Feiern und brachten Familien über die ganze Welt zusammen. Als den Familien mitgeteilt wurde, dass sie kein Asyl bekommen würden, verhinderten die schottischen Nachbarn die Deportation durch das Heimat-Büro. Immigrationsbeamte, welche in den frühen Morgenstunden zu „Dämmerungsrazzien“ kamen, begegneten von wütende Glasgower, welche nicht zuließen, dass ihnen das Heimat-Büro ihre Freunde wegnahm. Die Demonstrationen verbreiteten sich und sorgten für ein Ende der „Dämmerungsrazzien“. Mehrere tausend Menschen, welche von Deportation bedroht waren, darunter viele Familien, durften so in Schottland bleiben.(10)

Diese Art von längerfristiger Arbeit produziert ein Netzwerk von und eine Infrastruktur für gegenseitige materielle Unterstützung, eine Art Verwandtschaft in der reproduktive Arbeit, die traditionell Haushalten zugewiesen wurden, teilweise vergesellschaftet wird. Verwandtschaft nicht als biologische, aber als eine durch ein geteiltes Verhältnis zur Welt, wohnliche Nähe und gegenseitige Unterstützung verstandene. Wir haben hier auch ein Echo einer „Verwandtschaft der Unfruchtbaren“, auf die Naomi Klein anspielt. (11) Diese Verwandtschaft enthält jene, die nicht in der Lage sind, Kinder zu bekommen (zu denen Klein eine Affinität spürt), aber sie verweigert auch Politik auf Fruchtbarkeit zu zentrieren und den reproduktiven futuristischen Zusammenhang der Rasse-Familie-Nation. Wie Silvia Federici formuliert:

…durch die alltäglichen Aktivitäten, mit denen wir unsere Existenz produzieren, können wir unsere Kapazität zur Kooperation entwickeln und nicht nur der Dehumanisierung widerstehen, sondern auch lernen, die Welt als einen nährenden, kreativen, von Sorge um einander geprägten Ort zu verstehen.(12)

Wir können uns nicht vorstellen, dass die Communities der Glasgower Arbeiter*innenklasse, welche ihre migrantischen Freunde verteidigt haben, diese für solche Verbrechen verantwortlich machen; damit unterminieren sie präventiv die Versuche rassifizierter kollektiver Schuldzuweisungen, wie sie für die antimigrantische Agitation in Europa zentral sind. Damit ist diese Produktion von Kollektivität eine „Erfindung von Gemeinschaft“ – Jener Gemeinschaft, die gebraucht wird um Primo Levis Alarmsignal zu hören, die aber bislang fehlt.(13)

In dem wir unsere Kapazitäten zur Selbstregeneration von dem Haushalt hin zu lokalen, aber transnationalen und multirassischen Netzwerken gegenseitiger Hilfe verschieben, machen wir es Vorstellungen von rassifizierten, sexualisierten Ängsten, welche Grenzgewalt antreiben, schwerer bei uns Fuß zu fassen. Wichtig ist dabei, dass dies eine Tendenz ist, die bereits existiert, da Arbeiter*innen ihre soziale Reproduktion unter Bedingungen, wo die ‚richtige‘ bürgerliche Kleinfamilie, selbst wo sie gewünscht wird, oft aufgrund von stagnierenden oder prekären Löhnen und steigenden Mietpreisen, nicht ökonomisch möglich ist.
Mehrere weitere Tendenzen sind noch auf unserer Seite: Zusätzlich zur Erosion patriarchaler, binärer Geschlechternormen, welche zentral für den oikonomischen Nexus sind, haben jüngste Kämpfe – von der Bewegung der Plätze und Occupy zu Black Lives Matter – sich flüssig über nationale Grenzen hinweg verbreitet. Man muss nicht den atemloseren Zeugnissen einer hyper-vernetzten Überalterung der Nationalstaaten anhängen um zu sehen, dass nationale Solidaritäten bei weitem nicht die einzigen, oder selbst die offensichtlichsten Angebote sind. So beschränkt diese Kämpfe auch sein mögen; die Tatsache, dass transnationale Solidaritäten spontan aus den Gegebenheiten unserer Kommunikationsinfrastruktur entspringen – ohne damit die Arbeit derjenigen abwerten zu wollen die aktiv an der Verbreitung von Kämpfen mitwirken – ist sicherlich ermutigend für eine No-Border-Politik, welche den kommenden Klimakrisen gerecht wird.

Antifaschistische Infrastrukturen

Dass Kämpfe eine transnationale Resonanz finden können betont einen weiteren wichtigen Punkt. Die Bösartigkeit und Intensität medialen Rassismus illustriert wie rassifizierte Ängste nicht einfach gegeben sind, sondern permanent angefacht werden müssen um Ausbrüche von Solidarität zu verhindern. Nina Power nennt dies eine „gelenkte und inszenierte Fehlplatzierung von Wut“.(14)

So publizierten zum Beispiel, nach den weitverbreiteten Bildern vom Tod Aylan Kurdis, selbst weit rechts stehende britische Boulevardblätter sympatisierende Artikel (wenn auch eine stark rassifizierte und gewaltförmige Form von Sympathie, welche sich leicht bei der nächsten Gelegenheit in den absoluten hasserfüllten Schund zurückdrehen lässt). Die Literatur über Medien als Meta-Repräsentation bietet eine Einschätzung darüber, wie Medien in solchen Fällen funktionieren:

Es kann sein, dass niemand seine Meinung geändert hat, aber plötzlich diejenigen, welche die Dämonisierung von Migrant*innen ablehnen, merken, dass sie nicht alleine waren. Das passt zu der faszinierenden Literatur, welche nahelegt, dass die Medien nicht so sehr beeinflussen was die Leute denken, sondern was die Leute über die Vorstellungen anderer Leute denken (Meta-Repräsentationen statt Repräsentationen). Aber dies ist dennoch wichtig, da es beeinflusst, was wir bereit sind zu tun. Wenn wir das Gefühl haben nicht allein zu sein, dass wir teil einer kollektiven Stimme sind, sind wir viel eher dazu bereit öffentlich zu handeln. (15)

Das legt nahe, dass alternative mediale Infrastrukturen und oder die effektive Nutzung von sympathisierenden, bestehenden Medien einen entscheidenden Teil dazu meitragen können, kollektive Aktion zu ermöglichen. Millionen von Menschen lesen wie The Sun für Rassentrennung eintritt, aber wir wissen nur das 300 Menschen zu einem promigrantischem Treffen gekommen sind, weil wir es auf Twitter gelesen haben. (16) Es fühlt sich oft so an, als würden wir auf einer regnerischen faschistischen Insel wohnen, dies reflektiert aber zumindest zum Teil ein mediales Monopol auf Meta-Repräsentationen, welches dafür sorgt, dass promigrantische Menschen sich isoliert fühlen, auch wenn wir es nicht sind.

Fragen von Infrastruktur beantworten zum Teil, wie wir eine größere antifaschistische Kultur in der Gesellschaft aufbauen können um uns gegen Levis ‚latente Infektion‘ zu impfen. Diese Infrastruktur kann aus Dingen wie Buddy-Netzwerken und physischen Orten welche Migrant*innen unterstützen – und so diejenigen die versuchen sie zu dämonisieren unterhöhlen – als auch in medialen Infrastrukturen bestehen, welche das Gefühl der Isolation, das von Millionen von Menschen gespürt wird, angesichts der Verzweiflung über ein Klima des populistischen Rassismus in Frage stellen.(17)

Diese hybriden Netzwerke von Menschen, Technologien, Infrastrukturen sind, was wir an anderer Stelle eine „Politik regenerativer Cyborgs“ genannt haben. (18) Um es vielleicht klarer zu machen: Es ist eine Frage von Verwandtschaft, die nicht von Biologie begrenzt ist. Dies baut auf bereits verbreiteten Formen gegenseitiger Hilfe, die Menschen für sich selbst neben oder anstelle von bürgerlichen Kleinfamilien aufgebaut haben: Verbindungen der Affinität anstelle der Blutsverwandtschaft.

Wenn auch nur ein Bruchteil der prophezeiten Klimamigration stattfindet, kann erwartet werden, dass reaktionäre Kräfte die Grenzpanik vergrößern und nach mehr Grenzgewalt rufen, vermutlich organisiert um ein Anrufen von Rettungsbootethiken, mit Rettungsboot-Staaten, welche Todeswelten über rassifizierte Außenseiter bringen. Die emotionalen Resonanzen dieser Rufe im auf den Haushalt konzentrierten Zusammenhang um Rasse, Familie und Nation zu verstehen, erlaubt uns auch zu verstehen, wie scheinbar unzusammenhängende „kulturelle“ Kämpfe und Kämpfe um soziale Reproduktion einen Teil zur Infragestellung der Reproduktion dieser unbewussten Investitionen beitragen.

Während das Klima sich zu einer Vergrößerung der unbewohnbaren Zonen der Welt hin verändert, wird der Nationalstaat als Modus der sozialen Reproduktion in den bewohnbaren Zonen unter beträchtlichen Druck geraten. Seine Verteidiger werden seinen Werteverlust nicht leicht hinnehmen – und in der Tat ist das Militär dabei den Klimawandel zentral in seine Planungen einzubeziehen.(19) Aber autoritäre Rettungsboot-Staaten sind nicht unvermeidlich. Während anti-migrantische Populisten damit beschäftigt sind die Existenz des Klimawandels zu leugnen, könnte No-Border-Politik einen jahrzehntelangen Vorsprung bekommen, leise auf existierende Tendenzen in gegenwärtigen Gesellschaften und Kämpfen aufbauend, eine Infrastruktur zur Unterminierung der voraussagbaren reaktionären Antworten aufbauend für die Zeit, wenn die Klimakrise nicht mehr zu leugnen ist.

Fußnoten

1) Gilles Deleuze und Felix Guattari (1977), Anti-Ödipus, p.331.
2) Bild: Eine weiße Frau, die in eine EU Fahne gehüllt ist wird von allen Seiten von braunen Armen und Händen angefasst.
3) Angela Mitropoulos (2012), Contract and Contagion: From Biopolitics to Oikonomia, Minor Compositions, S.160.
4) Angela Mitropoulos, On Borders / Race / Fascism / Labour / Precarity / Feminism / etc, Base Issue #1, 28 October 2016.
5) Tatsächlich hat der Begriff seine Ursprünge scheinbar in einem Pornogenre, laut dem Southern Poverty Law Centre. Diese Ängste spiegeln die Beschäftigung der Nazis mit den “rheinländischen Bastarden” wieder, Kinder die Deutschen Müttern geboren wurden, von Vätern, welche teil der kolonialen (viele Westafrikaner) Französischen Besatzungsarmee nach dem ersten Weltkrieg waren.
6) Angela Mitropoulos, On Borders / Race / Fascism / Labour / Precarity / Feminism / etc, Base Issue #1, 28 October 2016.
7) Jasbir Puar (2007), Terrorist Assemblages, Duke University Press, S.31.
8) Zum Zusammenhang antimigrantischer und homophober Gewalt siehe: James Butler, A post-Brexit spike in homophobic hate crime? It’s part of ‘taking back control’, Huck Magazine, 11 October 2016.
9) Silvia Federici (2012), Revolution at Point Zero, PM Press, p.111.
10) Maryline Baumard, Give me your tired, your poor … the Europeans embracing migrants, The Guardian, 3 August 2015.
11) Siehe unseren Artikel Klein vs Klein.
12) Silvia Federici, Revolution at Point Zero, S.3.
13) Siehe die Abschnitte ‘the people are missing’ and ‘inventing climate people’ in unserer Diskussion um Klimapopulismus für eine detalliertere Diskussion was es bedeutet wenn die Menschen fehlen oder erfunden sind. Siehe den Abschnitt ‘Cramped space and the centrality of creation’ hier für eine Diskussion der Bedeutung von engen Räumen:
“If the people are missing, minor politics begins not in a space of self-determined subjective plenitude and autonomy, but in ‘cramped space’, amongst oppressed, subaltern, minority peoples who find their movements and expressions ‘cramped’ on all sides. (…) Deleuze and Guattari suggest that it is precisely in cramped situations, in the enforced proximity of peoples, histories, and languages that creation occurs: ‘Creation takes place in choked passages’.”
14) Nina Power, Rainy fascism island, e-flux.
15) Steve Reicher and Alex Haslam, A ‘migrant’ is not a migrant by any other name, The Psychologist, 11 September 2015.
16) Rod Liddle, Why should whites live in ‘ethnic’ area? Can’t they be among their own kind too?, The Sun, 3 November 2016. Refugees meeting tweet: Daniel Trilling.
17) Es gibt viele wichtige Elemente von Stadtplanung und Architektur, welche hier berücksichtigt werden müssen. Frühere Bewohner von Wohnungen in Sheffields Park Hill berichten wie das Design ihrer „Straßen im Himmel“ es ermöglichte, dass Kinderbetreuung informell kollektiviert werden konnte, eine Sache die durch abgetrenntere Wohnbereiche und einen Mangel an öffentlichen Plätzen erschwärt wird. (Paul Allender & Prue Chiles, Making Yourself at Home in Park Hill: Meanings of Modernism and Utopia, presented at Utopias, Futures and Temporalities: Critical Considerations for Social Change, Bristol Zoo, May 2015).
18) Wir sind hier kaum auf die technologischen Aspekte eingegangen: auf längere Sicht würden die Zufluchtsorte der bewohnbaren Zonen vermutlich Technologien zur Meerwasserentsalzung, großflächige Bewässerungen und Indoor Farming einsetzen – beide sind sehr Energieintensiv und würden also eine großflächige Verwendung von erneuerbaren Energien voraussetzen.
19) Suzanne Goldenberg, Pentagon: global warming will change how US military trains and goes to war, The Guardian, 13 October 2014.